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Begegnung mit dem nackten Chef

Ein Beitrag von den Wellnessterstern Jessica Gahn und Kathrin Hohberger

„Das muss schneller gehen! Zack, zack jetzt!“, brüllen sie, während sie uns im gestreckten Galopp zu korrigierende Zeitungsseiten zuwerfen. Als Lektorinnen einer Tageszeitung ertragen wir solch einen durchaus alltäglichen Befehlston mit stoischer Gelassenheit. Trotzdem geht er (gepaart mit dem Stress) auch angesichts unseres Alters von Anfang 30 nicht mehr spurlos an uns vorüber: Die grauen Haare vermehren sich munter, Falten graben sich wie tiefe Furchen in unser Gesicht. Dagegen müssen wir etwas tun, denken wir uns, und buchen einmal Bali und zurück. Und das an nur einem Tag, denn Bali liegt in Bedburg.

Ankunft ist um 10 Uhr, das Gedrängel am Pool hat noch nicht begonnen. Wir lassen uns das blaue All-inclusive-Bändchen anlegen und stürmen das leckere Frühstücksbüfett. Die typisch deutsche Angewohnheit, Liegen mit Handtüchern zu reservieren und das Revier zu markieren, fällt flach, denn das ist gar nicht nötig. Unsere Taschen liegen gut verstaut in den Fächern und wir starten – mit gelockertem Bademantelgürtel, das Frühstück hat gewaltige Spuren hinterlassen – zu einem Rundgang.

Jessi, bislang blutige Sauna-Anfängerin, ist ein wenig überwältigt von so viel Nacktheit. Kathrin, erfahrene und abgebrühte Sauna-Gängerin,  kann fast nichts mehr schocken. Doch dann steht er da – unser Chef, wie Gott ihn schuf. Langsam entsteigt er dem Freiluft-Pool im wunderschön gestalteten Außenbereich, in dem die Seesauna ein wirkliches Highlight ist, und kommt auf uns zu. Panik steigt in uns auf, doch der zweite Blick gibt Entwarnung: Doppelgänger.  Auf den Schock erst mal ein Glas Sekt. Damit dieser seine Wirkung voll entfalten kann,  entschließen wir uns zu unserem ersten Aufguss. Die Sauna füllt sich schnell; weil wir Angst haben, nur noch Plätze ganz oben zu erwischen, wagen wir uns schon vor der Zeit in die Schwitzkammer. Das rächt sich spätestens bei der dritten, sehr heißen Runde. Wir warten höflich das Ende des Aufgusses ab und stürmen unter die kühle Dusche. Herrlich!

Kathrin braucht erst mal eine Auszeit und macht es sich im oberen Bereich auf einem Wasserbett gemütlich. Jessi kann hingegen nicht genug bekommen – sie hat Blut geleckt. Also auf in die Tropensauna, deren Besonderheit der tropisch-warme Regenschauer ist, der regelmäßig auf die Erholungsuchenden niederprasselt. Die Tropensauna ist zum einen nicht ganz so heiß, zum anderen gerade leer. Ein Glück für die Anfängerin, was Sauna allgemein und Nacktheit im Speziellen angeht.

Gerade hat sie angefangen, sich zu entspannen, da geht die Tür auf und ER kommt herein – der nackte „Chef“. Er wird zutraulich und beginnt mit lockerem Smalltalk. Einsilbig und mit abgewandten Augen reagiert die Anfängerin, in der Hoffnung, das Chef-Double damit zum Schweigen zu bringen. Doch gerade das scheint ihn herauszufordern – ganz Jäger, ganz „Chef“. Er flirtet! Der Schweiß rinnt Jessi nicht nur aufgrund der Tropenhitze in Strömen herab. Eigentlich würde sie jetzt gern die Sauna verlassen, aber dazu müsste sie aufstehen. Ein Anfänger-Problem tut sich auf: Was wäre peinlicher? Die nackte Ohnmacht oder aber sich in der ganzen körperlichen Fehlbarkeit dem Flirter zu präsentieren? Sie entscheidet sich für Ersteres, aber nicht, ohne ihm zu drohen: „Wenn Sie nicht gleich aufgeben und gehen, passiert Schreckliches und Unaussprechliches!“ Er nimmt chefig-großspurig die Herausforderung an, doch zwei Sekunden später verlässt er, völlig ausgezehrt, die Sauna. Die Anfängerin atmet auf und stürmt nur kurz später unter die Dusche. Bevor es gleich weiter im Programm geht, braucht sie eine Auszeit im Wasserbett.

Zum Abschluss gönnen wir uns Anwendungen im großzügigen Wellnessbereich, der in wohltuenden Brauntönen gestaltet ist. Jessi wählt die Lotus-Massage, Kathrin lässt sich im Hamam schrubben. Nachdem die emotionalen Chakra-Blockaden durch Rosenquarze gelöst sind, Jessi tiefenentspannt und Kathrins Haut porentief rein ist, ist es leider an der Zeit, Bali zu verlassen. Wenn der Redaktionsstress wieder mal überhandnimmt, werden wir sicher wiederkommen.

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