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Schlaf: Wichtig für unser körperliches und geistiges Wohlbefinden

Schlaf ist ein ewiges Mysterium: In der Medizin definiert als „natürlicher Zustand herabgesetzten Bewusstseins und Stoffwechsels“. Früher in den älteren Kulturen wurde Schlaf als Zeit angesehen, wo die Seele das Jenseits aufsucht oder mit dem All verschmilzt. Die alten Griechen hatten sogar einen eigenen Gott des Schlafes „Hypnos“, dessen Zwillingsbruder der Gott des Todes „Thanatos“ war. Hier wurden Schlaf und Tod eng verwandschaftlich miteinander verbunden, was für uns keine wirklich angenehme Vorstellung ist. Damals haben die Menschen den Tod jedoch nur als eine Station auf dem Pfad zum nächsten Leben gesehen und nicht als Versagen der Medizin bewertet, weshalb die Verbindung von Schlaf und Tod für sie wohl weniger schlimm war. Heutzutage betrachten wir den Schlaf anders.

mysterium-schlafWir beschäftigen uns intensiv mit seinen Hintergründen und versuchen herauszufinden, wie wir ihn bestmöglich nutzen und genießen können. Darüber hinaus gibt es die eine Frage, die bis dato leider nicht eindeutig zu beantworten ist:

Welchen Sinn hat der Schlaf?

Wenn wir nicht schlafen, zu wenig schlafen oder schlecht schlafen, merken wir in der Regel deutlich wie wichtig der Schlaf für unser Wohlbefinden und unsere Leistungsfähigkeit ist. Dennoch war die Wissenschaft bislang nicht in der Lage zu klären, welche Ursachen es für unser Schlafbedürnis gibt. Einige interessante Entdeckungen wurden allerdings gemacht, die uns dabei helfen, die Bedeutung des Schlafes und seine Auswirkungen auf Körper und Geist zu verstehen.

Schlaf ist überlebensnotwendig

Schlafen ist gesundDauerhafter Schlafentzug macht nicht nur krank, sondern führt zum Tod. Diese Erkenntnis verdanken wir der größten Studie zum Schlafentzug, welche in der Wissenschaft jemals durchgeführt wurde. Initiator war der US-Amerikaner Allan Rechtschaffen, der sich in den 1980er Jahren mit der Frage beschäftigte, was wohl mit einem Lebewesen passiert, wenn man es solange wie möglich vom Schlafen abhält.

Für sein Experiment setzte Rechtschaffen Ratten ein. Diese wurden auf die eine Seite von auf im Wasser befindlichen Drehscheiben gesetzt. Durch den Einsatz eines EEGs waren die Forscher in der Lage zu erkennen, wenn ein Tier dabei war einzuschlafen. In diesem Moment brachten sie die Drehscheibe schlagartig in Bewegung, was die Tiere weckte und sie zwang zu gehen, um nicht durch Einwirken der Fliehkräfte ins Wasser zu rutschen. Zur Kontrolle saß auf der anderen Seite der Drehscheibe eine zweite Ratte, die immer schlafen durfte, wenn die Scheibe nicht in Bewegung war, also das eigentliche Versuchstier wach war. Auf diese Weise bekamen die Ratten der Kontrollgruppe während des Versuchs fast die Normaldosis an Schlaf und sie blieben für die Dauer der Experimente weitgehend gesund.

Die am Schlafen gehinderten Versuchstiere brachten es letzten Endes nur auf ein Zehntel des normalen Schlafpensums. Mit zunehmender Dauer des Experiments ging es ihnen immer schlechter: Schnell stelle sich ein Zustand der Verwahrlosung ein, das Fell der Tiere wurde stumpf und schütter. Auch der Stresshormonspiegel stieg. Die Haut der Ratten war durch zahlreiche Wunden gekennzeichnet, die zunehmend schlechter und schließlich gar nicht mehr heilten. Bei Experimentende konnten die Tiere ihre Körpertemperatur nicht mehr halten. Obwohl sie mehr Nahrung als die Ratten der Kontrollgruppe aufnahmen, magerten sie ab. Binnen eines Zeitraums von zwei bis drei Wochen verendeten alle Tiere. Diese Zeit ist etwa identisch mit der Zeit, welche die Nager ohne Nahrung überdauern können, woraus abgeleitet werden kann, das Schlafen genauso einen hohen Stellenwert wie Essen für das Überleben hat.

Die Forscher gingen in ihren Experimenten noch einen Schritt weiter: Bei einigen Versuchstieren wurde der Schlaf nur unterbunden, wenn die Tiere Anzeichen vom REM-Schlaf (REM = Rapid Eye Movement – tlw. auch als Traumschlaf bezeichnet) in Form von heftigen Augenbewegungen zeigten. Auch hier starben am Ende alle Ratten. Die Zeitspanne bis zum Eintreten des Todes war jedoch doppelt so lang wie bei den Tieren, die komplett vom Schlafen abgehalten wurden.

Eine direkte Todesursache bei denen an den Folgen des Schlafentzuges verendeten Tieren ließ sich nicht feststellen, so dass im Umkehrschluss auch keine Antwort auf die Frage nach der Hauptfunktion des Schlafes ableiten ließ.

Schlafmangel hat verherrende Folgen

Schlaf ist lebenswichtigDer Weltrekord im Wachbleiben liegt aktuell bei 266 Stunden. Aufgestellt wurde dieser vom Briten Tony Wright, der während dieser Zeit trotzdem körperlich und geistig fit geblieben ist. Wright behauptet, dass dieses an seiner guten Vorbereitung, einer reinen Rohkosternährung sowie einer intelligenten Koordination seiner Hirnhälften läge, was von Ärzten jedoch eher bezweifelt wird.

Die Kategorie im Guinessbuch der Weltrekorde wurde aufgrund der hohen gesundheitlichen Risiken schon vor geraumer Zeit vom Herausgeber abgeschafft.

Der letzte offizielle Weltrekord wurde 1964 aufgestellt und vom 17-jährigen Randy Gardener aus San Diego, Kalifornien erreicht. Zu diesem Zeitpunkt gab es die Experimente von Rechtschaffen noch nicht. Die Schlafforschung steckte noch in den Kinderschuhen und niemand wusste um die tödliche Gefährlichkeit dieses Weltrekordversuches. 264,4 Stunden hat Randy Gardener insgesamt durchgehalten. Bereits am zweiten Tag stellen die überwachenden Mediziner Anzeichen extremer Müdigkeit bei ihm fest. Es kommt in den Folgetagen zu Schwermütigkeit, Gedächnislücken und Konzentrationsschwierigkeiten, Gardeners Wahrnehmung leidet, seine Sprache verlangsamt sich, das Gedächnis lässt mehr und mehr nach. Am Ende ist der Junge nicht mehr zur Lösung einfacher Rechenaufgaben fähig.

Nach Erreichen des Weltrekordes gibt er eine Pressekonferenz, bei der er tadellos auftritt und problemlos spricht. Danach legt er sich für fast 15 Stunden schlafen. Im Anschluss daran ist Randy Gardener hellwach und geistig fast wieder auf Normalniveau. Er geht wieder seinem normalen Alltag nach, wobei er jedoch in den Folgetagen noch früher zu Bett geht und länger als gewöhnlich schläft. Schließlich ist alles wieder wie vor dem Weltrekord und es gibt keine bleibenden Folgen.

Das akuter Schlafmangel ohne Folgen bleiben kann, konnte auch Rechtschaffen in seinen Experimenten bestätigen: Wenn die Versuchstiere rechtzeitig aus der Apparatur genommen wurden und Schlaf nachholen durften, trugen sie keine bleibenden Schäden davon.

Wer schon einmal eine Nacht durchgemacht hat, der weiß, dass man sich am nächsten Tag nicht so wie normal fühlt. Man ist müde und unkonzentriert. Die Forscher sprechen von einem Konzentrationszustand der dem eines Menschen mit einem Blutalkohol von einem Promille entspricht. Die durch den Schlafentzug gewonnene Zeit lässt sich deshalb meist kaum wirklich sinnvoll nutzen, so dass der Verzicht auf Schlaf kein probates Mittel zum Zeitgewinn für anstehende Aufgaben ist.

Warum wir ausreichend schlafen sollten

Guter Schlaf ist gleichbedeutend mit Lebensqualität. Darüber hinaus sorgt der Schlaf dafür, dass unser Immunsystem ordnungsgemäß läuft, was auf lange Sicht lebensnotwendig ist. Das Gedächnis wird im Schlaf stabilisiert. Alle geistigen Leistungen von der Konzentration bis zum Willen werden vom Schlaf beeinflusst und durch ihn ermöglicht. Wenn wir in der Nacht gut und erholsam schlafen, sichert uns dieses auch das Überleben am Tage. Unausgeschlafen risikieren wir tagsüber einzuschlafen, was tödliche Bedienungsfehler zum Beispiel bei der Arbeit an Maschinen oder im Auto nach sich ziehen kann.

Über die Autorin:

Bianca Hilge ist Online-Redakteurin und schreibt seit mehr als zehn Jahren für verschiedene Websites und Magazine wie magazin.betten.de.

Bildnachweis:
B. Hilge
Anton Maltsev – Fotolia
Yuri Arcurs – Fotolia

Kommentare

  • 27. November 2016

    Nathalie

    Ich schlafe im Schnitt acht Stunden und fühle mich fit :-)

  • 14. August 2016

    Ning

    Ich schlafe selbst gern und viel :)


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