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Macht uns (keine) Arbeit krank?

Untersuchungen belegen, dass Arbeit vor der Entstehung psychischer Erkrankungen schützen kann, gleichzeitig überschwemmen uns die Medien mit Berichten über die negativen Folgen von Stress am Arbeitsplatz – psychische Erkrankungen sind der Hauptgrund für Frühberentung, immer mehr Fälle von Burn-out treten auf. Macht Arbeit uns nun also krank oder ganz im Gegenteil: hält sie uns sogar gesund?

Die typischen (traditionellen?) Berufskrankheiten und ihre Ursachen

Laugt uns die Arbeit aus oder im Gegenteil, stärkt sie uns sogar?

Laugt uns die Arbeit aus oder im Gegenteil, stärkt sie uns sogar?

Es gab sie lange bevor Burn-out auf den Tagesplan trat und die Medien uns mit Berichten über den drastischen Anstieg der Fehlzeiten aufgrund psychischer Beschwerden überschwemmten und es gibt sie noch heute – die „traditionellen“ Berufskrankheiten. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales definiert Berufskrankheiten folgendermaßen:

„Berufskrankheiten sind Erkrankungen, die Versicherte durch ihre berufliche Tätigkeit erleiden und die in der Berufskrankheiten-Verordnung (BKV) aufgeführt sind www.bmas.de

Ursachen für Berufskrankheiten können ganz unterschiedliche gesundheitsschädliche Einwirkungen sein. Besonders betroffen sind Arbeitnehmer, die mit Chemikalien arbeiten, schwere Lasten tragen oder täglich Vibrationen oder Lärm und Staub ausgesetzt sind. Doch eine Berufskrankheit wird nur als solche anerkannt, wenn sie durch besondere Einwirkungen entstanden ist. Diese Einwirkungen müssen bei der betroffenen Personengruppe, also den Arbeitnehmern eines bestimmten Berufes, in deutlich höherem Maße vorliegen, als bei der normalen Bevölkerung. Eine Liste der derzeit anerkannten Berufskrankheiten findet sich unter Gesetze-im-Internet.de.

Im Folgenden sollen nun vier typische Berufserkrankungen kurz beleuchtet werden.

Allergien der Haut- und Atemwege durch Berufsstoffe

Das Risiko des Kontakts mit Allergenen betrifft zahlreiche Berufsgruppen, wie etwa Frisöre, Maurer, Krankenschwestern oder Gärtner. Es gibt verschiedene allergene Krankheitsbilder, meist sind jedoch die Haut oder die Atemwege davon betroffen. Es wird davon ausgegangen, dass 90 Prozent der berufsbedingten allergischen Atemwegserkrankungen durch organische Substanzen biologischen Ursprungs verursacht werden. Die restlichen zehn Prozent sind niedermolekularen Chemikalien zuzurechnen.

Durch Asbest hervorgerufene Lungenerkrankungen

Asbest kann schwere Erkrankungen hervorrufen.

Asbest kann schwere Erkrankungen hervorrufen.

Setzt sich eine Person über längere Zeit dem giftigen Asbeststaub aus, kann dies verschiedene Erkrankungen hervorrufen. So wird vermutet, dass Asbestfasern zu genetischen Veränderungen im Körper führen und Krebserkrankungen, wie Lungen- oder Kehlkopfkrebs auslösen können. Seit 1993 ist die Verwendung von Asbest verboten, da die Latenzzeit, also die Zeit, bis die Krankheit ausbricht, jedoch 30 bis 40 Jahre betragen kann, rechnen Experten damit, dass in den kommenden Jahren noch viele Fälle auftreten werden.

Schwerhörigkeit aufgrund von Lärm am Arbeitsplatz

Vor allem am Bau oder in der Industrie, jedoch auch gelegentlich im Büro, sind Menschen starkem Lärm ausgesetzt. Dieser Dauerlärmpegel im Job betrifft rund fünf Millionen Arbeitnehmer in Deutschland. Lärmschwerhörigkeit kann die Folge sein. Sie zählt zu den häufigsten Berufskrankheiten in Deutschland. Betroffene nehmen hohe Töne kaum noch wahr und empfinden tiefe Töne als Belastung.

Silikose durch Quarzstaub

Bei Silikose handelt es sich um eine Erkrankung der Lunge, welche durch Quarzstaub hervorgerufen wird und besonders bei Arbeitnehmern, welche im Bergbau tätig sind, auftritt. Die Ablagerungen des Quarzstaubes führen zu einer Vernarbung des Lungengewebes. Verschleimung der Atemwege, Atembeschwerden sowie chronische Bronchitis können die Folgen sein.

Burn-out und Co. – Die Berufskrankheiten der Neuzeit

Heute treten deutlich mehr Fälle von Burn-out auf, als noch vor zehn Jahren.

Heute treten deutlich mehr Fälle von Burn-out auf, als noch vor zehn Jahren.

In der globalisierten und vernetzten Gesellschaft und einer Arbeitswelt, die aufgrund der technischen Möglichkeiten unaufhörlich an Tempo zulegt, fühlt sich der Einzelne mitunter gehetzt und hat das Gefühl, immer mehr in immer kürzerer Zeit leisten zu müssen. Hinzu kommt die ständige Erreichbarkeit durch Email, Smartphones, Tablets und Co. Einfach mal abzuschalten und zu entspannen, das fällt vielen Arbeitnehmern schwer. Dieses chronische Stresslevel führt bei zahlreichen Menschen zur Entstehung psychischer Beschwerden und mündet nicht selten im Burn-out-Syndrom.

Wenn der Job krank macht – Die Folgen von chronischem Stress

Stress ist grundsätzlich nicht negativ behaftet, dient er doch dazu, dem Organismus in Extremsituationen zusätzliche Energie zu liefern. Unserer Vorfahren brauchten den Stress also, um sich in gefährlichen Situationen auf den Kampf oder die Flucht einzustellen. Auch heute kann Stress durchaus noch etwas Positives sein, zum Beispiel, wenn sich die Reaktionsbereitschaft des Einzelnen vor einer wichtigen mündlichen Prüfung aufgrund von Stress erhöht, er also hellwach ist, obwohl er vor Aufregung vielleicht die ganze Nacht nicht schlafen konnte. Im Gegensatz zu unseren steinzeitlichen Vorfahren, die eben kämpften oder flohen, finden wir heute jedoch oft kein motorisches Ventil, um unseren Stress abzubauen. So wird der Körper in einen Zustand der ständigen Alarmbereitschaft versetzt und chronischer Stress kann die Folge sein. Chronischer Stress wird als das Missverhältnis zwischen den Anforderungen, welche an den Einzelnen gestellt werden und seinen individuellen Ausgleichmöglichkeiten, wie Entspannung oder positives Erleben, angesehen, so die PDF „Chronischer Stress und seine Folgen“. Die Folge können psychische, jedoch auch physische Erkrankungen sein. Betroffen sind in besonderem Maße Personen, die einer Mehrfachbelastung ausgesetzt sind, zum Beispiel berufstätige Mütter, aber auch Menschen, die ihre eigene Leistungsfähigkeit überschätzen, Perfektionisten sowie Personen, deren tägliche Arbeit redundant ist, die nur über wenig Entscheidungsgewalt verfügen und sich in der Folge ausgeliefert fühlen.

Die häufigsten Folgen von einem chronischen hohen Stresslevel.

Die häufigsten Folgen von einem chronischen hohen Stresslevel.

  • Kardiovaskuläre Erkrankungen und Atherosklerose

Chronische Stresszustände können maßgeblich beteiligt sein an der Entstehung und Aufrechterhaltung kardiovaskulärer Erkrankungen, also Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und Atherosklerose, also einer Systemerkrankung der Schlagadern. Einem Artikel des Medical Tribunes ist zudem zu entnehmen, dass davon ausgegangen wird, dass Stress auch ein Auslöser für das Auftreten von Herzinfarkten sein kann. Fakt ist, dass Stress die Sympathikusaktivität erhöht, was wiederum zur Ausschüttung adrenerger Stresshormone führt, welche einen Anstieg der Herzfrequenz und des Blutdrucks hervorrufen.

  • Schwächung des Immunsystems und daraus resultierende erhöhte Infektanfälligkeit

Stress kann ein Auslöser für eine Schwächung des Abwehrsystems sein. Doch nicht jede Art von Stress wirkt sich negativ auf das Immunsystem aus. So kann ein gut dosierter regelmäßiger Eustress, auch als positiver Stress bezeichnet, etwa während des Joggens, dem Immunsystem sogar zugutekommen. Durch regelmäßigen Eustress, wie er etwa durch Sport ausgelöst wird, wird das Immunsystem aktiviert und kann somit bei Bedarf besser und schneller reagieren. Es wird durch den Eustress sozusagen trainiert. Die Immunabwehr schädigen kann dagegen der sogenannte Disstress, also chronischer negativer Stress, der oft mit dem Gefühl von Angst und Hilflosigkeit einhergeht. Vor allem die dauerhafte Ausschüttung des Stresshormons Cortisol schwächt das Immunsystem und macht den Betroffenen anfälliger für Infekte.

  • Psychische Erkrankungen – Depressionen und Burn-out-Syndrom
Im Vergleich zu 2004 ist die Anzahl der Krankheitstage durch das Burn-out-Syndrom stark angestiegen (Quelle: © BKK Gesundheitsreport 2014 / In: Statista)

Im Vergleich zu 2004 ist die Anzahl der Krankheitstage durch das Burn-out-Syndrom stark angestiegen (Quelle: © BKK Gesundheitsreport 2014 / In: Statista)

Wie der Statistik des BKK Gesundheitsreports 2014 zu entnehmen ist, ist die Zahl der Krankheitstage durch das Burn-out-Syndrom in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Erst seit 2011 lässt sich wieder ein leichter Rückgang erkennen.

Die Symptome, welche der Körper bei dauerhaftem Stress entwickelt, also zum Beispiel

  • Schlafstörungen
  • Appetitlosigkeit
  • Nachlassende Libido
  • Verdauungsprobleme
  • Herz-Kreislauf-Probleme
  • Antriebslosigkeit
  • Angstzustände

sind alles Symptome, die auch bei Menschen, welche an einer Depression leiden, festzustellen sind. Es ist jedoch nicht nur eine Gemeinsamkeit der Krankheitszeichen, sondern auch ihrer Ursachen festzustellen. Dazu müssen die neurologischen Abläufe im Gehirn genauer betrachtet werden. Sowohl bei Stress, als auch bei einer Depression ist eine langanhaltend erhöhte Konzentration von Stresshormonen festzustellen. Die genauen Wirkungsweisen zwischen chronischem Stress und der Entstehung einer Depression sind bislang allerdings noch nicht ausreichend erforscht. Es gilt jedoch als erwiesen, dass chronischer Stress die Entstehung einer Depression begünstigen kann. In diesem Fall wird von einer Stressdepression gesprochen, welche einer medikamentösen und psychotherapeutischen Behandlung bedarf.

Die Begriffe Depression und Burn-out-Syndrom werden leider nur zu oft gleichgestellt beziehungsweise miteinander vermischt. Burn-out beschreibt eine dauerhafte Überlastung im Berufsleben, welche schließlich im Gefühl des Ausgebranntseins mündet. Körperliche sowie geistige Erschöpfung, Leistungseinbußen und Frustration sind häufig die Folge. Dies ist jedoch nicht mit einer psychischen Erkrankung wie der Depression gleichzusetzen. Burn-out kann jedoch die Entstehung einer psychischen Erkrankung begünstigen. Weiterführende Informationen sind dem Beitrag des Bundesverbands für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz – Info Gesundheit e.V. zu entnehmen (zum Beitrag).

Die Warnzeichen-Ampel

Wer unsicher ist, ob der eigene Job beziehungsweise das Stresslevel, das aufgrund der beruflichen Belastung herrscht, eventuell krank macht, kann sich an der Warnzeichenampel von karrierebibel.de orientieren:

Warnzeichen-Ampel

Diese Faktoren wirken sich negativ auf die psychische und physische Gesundheit aus. Ärztlicher Rat ist einzuholen und eventuell sollten die Betroffenen eine Auszeit beziehungsweise einen Wechsel der Arbeitsstelle in Betracht ziehen.

  • Grün: Kopfschmerzen und Müdigkeit

Vor allem dann, wenn es im Berufsalltag stressig wird, treten vermehrt Kopfschmerzen auf. Mitunter können eine falsche Sitzposition und eine daraus resultierende Verspannung der Nackenmuskulatur die Ursache sein. Hier hilft es, gelegentlich aufzustehen und einfach auf und ab zu laufen. Auch die Aufnahme von zu wenig Flüssigkeit begünstigt die Entstehung von Kopfschmerzen. Viel trinken ist also ein gutes Mittel der Prävention.

Wer sich gelegentlich müde und erschöpft fühlt, bekommt meist zu wenig Schlaf. Handelt es sich dabei um eine Ausnahme, etwa, weil wichtige Termine unbedingt noch bis spät abends vorbereitet werden müssen, ist dies in der Regel unbedenklich. Der Schlafmangel darf allerdings nicht zum Dauerzustand werden.

  • Gelb: Rücken- und Nackenschmerzen sowie Schlafstörungen
Wer viel am Schreibtisch arbeitet, hat häufig mit Nackenschmerzen zu kämpfen.

Wer viel am Schreibtisch arbeitet, hat häufig mit Nackenschmerzen zu kämpfen.

Besonders Personen, die täglich viel am PC arbeiten, haben mit Rücken- und Nackenschmerzen sowie mit Verspannungen zu kämpfen. Ausgelöst werden diese Beschwerden durch eine falsche Sitzhaltung. Um dem vorzubeugen, sollten Betroffene einmal alle 60 Minuten eine kleine Pause einlegen und sich bewegen. Herumlaufen im Büro oder auch leichte Streckübungen aktivieren die Muskeln. Mindestens ebenso essentiell ist ausreichend Bewegung nach Feierabend, etwa mithilfe einer bewegungsintensiven Sportart wie Joggen oder Schwimmen. Gezieltes Muskeltraining hilft weiterhin dabei, die Bandscheibe zu schützen. Wer bereits unter Rückenbeschwerden leidet, sollte sich von einem Orthopäden beziehungsweise einem Physiotherapeuten beraten lassen. Nicht zuletzt macht auch ein ergonomischer und richtig eingestellter Bürostuhl den Unterschied. Weiterhin hat sich die Feldenkrais-Methode, ein körperorientiertes pädagogisches Verfahren, als wirkungsvolle Therapie erwiesen. Detaillierte Informationen diesbezüglich sowie ein Interview mit dem Feldenkrais-Lehrer Michael Luschmann finden sich im Artikel „Verspannt? Alles eine Frage der Balance! Hilfe für richtige Sitzhaltung durch die Feldenkrais-Methode“ (hier geht es zum Beitrag).

Dauerhafte Schlafstörungen sind ebenfalls ein ernstzunehmendes Warnsignal. Das hohe Stresslevel im Job sorgt dafür, dass der Betroffene abends nicht zur Ruhe kommen kann und trotz großer Erschöpfung nicht oder nur schlecht schläft. In solchen Fällen sollte nicht zu Schlaftabletten gegriffen werden und auch von Alkoholkonsum ist abzusehen. Besser ist es, sich zu fragen, welche Aspekte des Berufs genau belastend sind und dann systematisch dagegen vorzugehen. In vielen Fällen ist auch eine Verhaltenstherapie sinnvoll, um antrainierte Verhaltensmuster zu überwinden.

  • Rot: Angstzustände und Depressionen
Mittels Psychotherapie können Depressionen überwunden werden.

Mittels Psychotherapie können Depressionen überwunden werden.

Wer so unter Druck steht, dass er Angst hat, zur Arbeit zu gehen und auch in der Freizeit nicht abschalten kann, sollte die Notbremse ziehen und über einen Wechsel der Arbeitsstelle nachdenken. Angstzustände und Depressionen, die auf ein dauerhaft hohes Stresslevel zurückgehen, können nicht von einem Tag auf den anderen abklingen. In diesen Fällen sind eine Therapie und gegebenenfalls auch eine begleitende medikamentöse Behandlung angezeigt. Wichtig ist, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Wer merkt, dass ihn die Arbeit mehr und mehr überfordert und sich diese Belastung auf die psychische und/oder physische Gesundheit auswirkt, kann das Gespräch mit seinem Vorgesetzten suchen und um eine Auszeit beziehungsweise um Unterstützung bitten. Neben dem Gefühl der Überforderung und des Erschöpftseins treten häufig körperliche Anzeichen, wie chronische Magen-Darm-Beschwerden, Haarausfall oder eben Schlafstörungen auf.

Doch Arbeit macht auch gesund – Die positive Wirkung von Arbeit auf die Psyche

Arbeit hat auch viele positive Effekte.

Arbeit hat auch viele positive Effekte.

Arbeit ist eine Gesundheitsgefahr – dies ist der Eindruck, der beim Blick in die Medien und den aktuellen Debatten über Burn-out und Co. entsteht. Doch Experten aus verschiedenen Fachbereichen, unter anderem der Psychiatrie, der Bundesagentur für Arbeit sowie der Rentenversicherung widersprechen dem, so ein Beitrag des Spiegels. Denn was bei der ganzen Debatte vergessen wird: Arbeit wirkt sich grundsätzlich erst einmal positiv auf die Psyche aus.

Warum Arbeit vor psychischen Erkrankungen schützen kann

Arbeit ist sinnstiftend und somit eine wichtige Voraussetzung für das seelische Wohlbefinden. Die soziale Interaktion mit Kollegen sowie das Gefühl, gebraucht zu werden und ein wichtiges und nützliches Mitglied der Gesellschaft zu sein, verbessern das Wohlbefinden und die eigene Selbstwahrnehmung. So kann eine Arbeitsstelle sogar dafür sorgen, dass sich der Gesundheitszustand von Personen, die bereits an psychischen Erkrankungen leiden, deutlich verbessert. Nicht zuletzt wegen der Erfolgserlebnisse, die sich im Zuge der Arbeit einstellen können. Jedoch auch, weil sie so weitaus mehr am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben teilhaben. Arbeitslosigkeit hingegen erhöht das Risiko an einer Depression oder einem anderen psychischen Leiden zu erkranken. Genauere Informationen zu diesem Punkt sowie aussagekräftige Statistiken sind der PDF des Robert-Koch-Instituts zu entnehmen.

Je selbstständiger die Arbeit ausgeführt wird, desto gesünder ist sie übrigens. Im Gegenzug bedeutet dies, dass jemand, der keinen oder nur wenig Entscheidungsspielraum bekommt, auf Dauer gefährdeter ist, aufgrund seiner Arbeitssituation ein psychisches Leiden zu entwickeln. Doch grundsätzlich gilt, dass auch ein mäßiger Job oder ein Job, der den eigenen Qualifikationen nicht gerecht wird, immer noch gesünder ist als dauerhafte Arbeitslosigkeit.

Kontinuierliche Herausforderung muss keineswegs im Burn-out münden

Der Wille, immer besser zu werden – kontinuierliche Herausforderung kann durchaus etwas Gutes sein.

Der Wille, immer besser zu werden – kontinuierliche Herausforderung kann durchaus etwas Gutes sein.

Wie bereits erwähnt, gibt es unterschiedliche Arten von Stress, positiven und negativen. Wer in seinem Job kontinuierlich gefordert ist, muss also keineswegs zwangsläufig am Burn-out-Syndrom erkranken. Im Gegenteil: Werden die Herausforderungen des beruflichen Alltags als positiv empfunden, bewegt sich das Stresslevel auf einem gesunden Maß und gelingt es dem Arbeitnehmer durch Freizeit, Sport und regelmäßige Entspannungspausen, einen Ausgleich zur Belastung am Arbeitsplatz zu schaffen, kann die kontinuierliche Herausforderung im Beruf etwas sehr Positives sein. Ein Artikel der TAZ spricht in diesem Zusammenhang vom Holzscheit und vom Muskelmodell. Während Holscheite langsam abbrennen und schließlich verglühen, werden Muskeln durch regelmäßige Beanspruchung größer und stärker.

Menschen können an kontinuierlicher Herausforderung wachsen.

Menschen können an kontinuierlicher Herausforderung wachsen.

Alles eine Frage der Einstellung?

Faktoren, die das Stress- und Frustniveau am Arbeitsplatz besonders erhöhen, sind Multitasking, Termin- und Leistungsdruck sowie häufige Unterbrechungen der Arbeit oder immer wiederkehrende monotone Arbeitsabläufe. Nicht selten tragen jedoch auch die Arbeitnehmer selbst zu ihrem hohen Stresslevel bei, etwa, wenn sie die Mittagspause ausfallen lassen. Dabei sind gerade Erholungspausen während der Arbeitszeit wichtig, um einer Erschöpfung vorzubeugen.

Wie kann mit Stress am Arbeitsplatz am besten umgegangen werden?

Wie kann mit Stress am Arbeitsplatz am besten umgegangen werden?

Im besten Fall wird natürlich ein Spaziergang im Freien unternommen oder es wird entspannt auswärts mit Kollegen gemeinsam gegessen. Wer dafür partout nicht die Zeit findet, sollte sich zumindest häufiger mal einen Kaffee oder Tee machen oder einen netten Kollegen für ein paar Minuten in seinem Büro besuchen, um sich ein wenig zu unterhalten, anstatt nur über E-Mails zu kommunizieren. Wissen.de hat darüber hinaus noch weitere hilfreiche Tipps, die im Folgenden nun zusammengefasst werden:

  • Lernen Nein zu sagen – Wer immer nur zu allem „Ja“ sagt, muss sich nicht wundern, wenn Chef und Kollegen ihm immer mehr Arbeit aufbürden.
  • Freizeit bleibt Freizeit – Wer Feierabend oder ein freies Wochenende hat sollte sich auch wirklich darauf konzentrieren, sich zu entspannen und sich etwas Gutes zu tun und keinesfalls liegengebliebene Arbeit erledigen.
  • Den eigenen Perfektionismus ablegen – Immerzu 150 Prozent geben zu wollen, ermüdet auf Dauer. Der Einzelne sollte also genau abwägen, wann Perfektionismus angebracht ist und wann nicht.
  • Die Freizeit aktiv gestalten – Natürlich kann auch ein Abend auf dem Sofa für Entspannung sorgen, besser lässt sich Stress allerdings durch Bewegung abbauen. Wer keine Lust auf schweißtreibenden Sport hat, sollte zum Feierabend wenigstens regelmäßig spazieren gehen.
  • Bewusst Entspannen – Wer die Arbeit auch nach dem Feierabend nur schwer aus dem Kopf bekommt, kann sich mit Entspannungstechniken wie Meditation oder autogenem Training behelfen. Auch Yoga oder Pilates helfen dabei, Körper und Geist wieder in Einklang zu bringen.
  • Über die eigenen Probleme sprechen – Wer merkt, dass ihn der Job belastet und immer mehr erschöpft, sollte das nicht in sich hineinfressen. Besser ist es mit dem Partner, mit Familie und Freunden darüber zu sprechen und wenn nötig, sich professionelle Hilfe zu suchen. Es gibt mittlerweile zahlreiche Psychotherapeuten, die sich auf die psychischen Folgen von chronischem Stress im Berufsalltag spezialisiert haben.

Fazit

Es stimmt, dass die Errungenschaften der modernen Gesellschaft, wie zum Beispiel die flächendeckende Vernetzung und die ständige Erreichbarkeit dazu geführt haben, dass sich immer mehr Menschen überfordert fühlen. Die moderne Technik sorgt dafür, dass die Arbeitsabläufe stetig schneller werden und der Mensch hechtet atemlos hinterher. Oft ist es ein Zusammenspiel aus Leistungsdruck im Beruf und Stress im Privatleben, etwa durch Familienstreitigkeiten, die Kindererziehung oder die Pflege der Eltern. Fakt ist, dass ein chronisch hohes Stresslevel auf Dauer krank machen kann und deshalb in keinem Fall unterschätzt werden sollte. Sowohl psychische als auch physische Beschwerden können die Folge sein, weshalb es wichtig ist, rechtzeitig gegenzusteuern und sich, wenn nötig, professionelle Hilfe zu suchen. Fakt ist aber auch, dass nicht jede Art Stress gleichermaßen schädlich ist und dass die Stressresistenz des Einzelnen auch häufig etwas mit seiner Einstellung zu tun hat. Das Risiko der Entwicklung einer psychischen Krankheit ist bei Arbeitslosen deutlich höher als bei Beschäftigen, selbst, wenn diese mit ihrer Jobsituation unzufrieden sind. Natürlich dürfen psychische Beschwerden nicht unterschätzt werden. Wohl aber ist eine deutliche Abgrenzung zwischen Alltagsbeschwerden und ernsten psychischen Erkrankungen, wie Depressionen, zu ziehen. Andernfalls würden schwerwiegende psychiatrische Erkrankungen heruntergespielt.

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