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Melatonin – mehr als nur ein Schlafhormon

Der 24-Stunden Rhythmus, in dem sich unser Planet bewegt, ist auch tief innerlich in uns und anderen Lebewesen verankert. In der Tat trägt jeder von uns eine Art Innere Uhr, welche die Prozesse in unserem Körper abhängig von der Tageszeit steuert. Dieser innere Tagesrhythmus, auch bekannt als der Circadiane Rhythmus, steuert unsere Hormone, die Körpertemperatur und den Stoffwechsel zeitabhängig. Bereits beim Aufstehen sorgt es für einen Anstieg der Körpertemperatur und die Ausschüttung von Botenstoffen, die uns langsam auf den Tag vorbereiten.

Geeicht wird die Innere Uhr von außen durch Licht, das von unseren Augen wahrgenommen wird. Geht die Sonne unter und die Nacht bricht an, schüttet die im Gehirn befindliche Zirbeldrüse Melatonin in die Blutbahn aus. Das Melatonin trägt somit die Information von der aktuellen Tageszeit und Lichtverhältnissen an alle anderen Zellen im Körper weiter. Es ist somit eine Art zeitabhängiger Botenstoff, aber auch viel mehr als das. Wir möchten hier verdeutlichen, wieso die Pflege eines gesunden Schlafs, der Verzicht auf Lichtsmog und das Melatonin wichtig für die Gesundheit sind.

Schlafen ist gesund

Die Einnahme von Melatonin vor dem Schlafengehen kann die Schlafdauer verlängern und zu einer Verbesserung der Schlafqualität führen.

Bedeutung des Circadianen Rhythmus für die Gesundheit

Wie essentiell ein intakter Circadianer Rhythmus für unsere Gesundheit ist, wurde erst durch die Folgen von Nachtschichtarbeiten sichtbar. Diese steht im Zusammenhang mit einem höheren Risiko an Brustkrebs zu erkranken und das um ganze 34 % und einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für eine Diabeteserkrankung um 37 % bei Männern [1, 2]. Auch der Lichtsmog, dem wir durch die starke nächtliche Beleuchtung in den Städten und die Nutzung von hellen Bildschirmen vor dem Schlafengehen ausgesetzt sind, verringert die nächtliche Melatonin Produktion.
Indem die innere Uhr nicht den vollen 24-Stunden Rhythmus ungestört abspielen kann, geraten essentielle Programme innerhalb der Zellen durcheinander, dazu gehören die Blutzuckeraufnahme, die Ausschüttung von Hormonen, die Reinigung der Zellen (Autophagie) und die Abtötung potentieller Tumorzellen. Nicht umsonst steuert das Melatonin ein Zehntel der menschlichen Gene.

Schlafstörungen, Alterungsprozess und das Melatonin

In Deutschland leiden hauptsächlich ältere Menschen an Schlafproblemen und Störungen, annähernd die Hälfte aller Senioren über 65 leidet an Schlaflosigkeit. Diese Problematik hat auch mit der beeinträchtigten Funktion der Zirbeldrüse und einer sinkenden Melatonin Produktion im Alter zu tun. Die Melatonin Konzentration während der Schlafphase sinkt bei Senioren fast auf die Hälfte der jungen Werte, die altersbedingten Veränderungen in der Melatonin Ausschüttung fangen bereits im mittleren Alter an [3]. Die Zirbeldrüse produziert im Alter plötzlich auch Melatonin vermehrt tagsüber, was zu Müdigkeit oder Störungen im Zuckerstoffwechsel führen kann.

Wie dereguliert der Circadiane Rhythmus im Alter ist, wird durch die natürliche, tägliche Schwankung der Körpertemperatur erkennbar, welche bei Senioren zeitversetzt abläuft [4]. Interessanterweise konnte in einem klinischen Versuch der gestörte Rhythmus der Körpertemperatur durch die regelmäßige Einnahme von Melatonin vor dem Schlafengehen aber wieder auf einen gesunden, jungen Rhythmus geeicht werden [5]. Die altersbedingte Veränderung des Circadianen Rhythmus ist also keineswegs eine Einbahnstraße.

Melatonin hilft dem Körper, bei einem Jet Lag den eigenen Rhythmus wiederzufinden.

Melatonin hilft dem Körper, bei einem Jet Lag den eigenen Rhythmus wiederzufinden.

Melatonin wurde als Einschlafhilfe in zahlreichen klinischen Versuchen eingesetzt und mit den typischen Schlafmedikamenten wie Zopiclon verglichen. Diese konnten zeigen, dass die Einnahme von Melatonin die Zeit bis zum Einschlafen verkürzte, die Schlafdauer leicht verlängerte und vor allem die Schlafqualität erhöhen konnte. Die meisten Schlaftabletten tun nämlich genau das Gegenteil: Sie verschlechtern die Schlafqualität und sorgen nicht für erholsamen, natürlichen Schlaf.

Melatonin hat sich zudem als natürliche Einschlafhilfe bei Jetlags etabliert. Jetlags verursachen ein ähnliches Durcheinander im Schlafrhythmus und im Hormonsystem, das selbst noch eine oder zwei Wochen nach dem Flug braucht um sich wieder zu normalisieren. Da Melatonin eine Art Taktgeber ist, eicht es die innere Uhr schneller auf die neue Zeit nach dem Flug in eine andere Zeitzone.

Melatonin als körpereigener Antioxidant

Unabhängig vom Schlaf hat das Melatonin andere Aufgaben im Körper und innerhalb unserer Zellen. Es ist ein einzigartiger, natürlicher Antioxidant. Melatonin kann reaktive und im Übermaß schädliche Substanzen, die als Nebenprodukte des Stoffwechsels entstehen, abfangen und unschädlich machen. Interessanterweise entstehen bei dieser Reaktion neue Antioxidantien, die vom Melatonin abgleitet sind. In einer solchen Kaskadenreaktion kann ein einziges Melatonin Molekül eine ganze Reihe von freien Radikalen abfangen [6]. Heute wissen wir, dass eine übermäßige Produktion von freien Radikalen innerhalb unserer Zellen mit dem Alter voranschreitet und im Zusammenhang steht mit diversen chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Neurodegeneration und Krebs. Das Melatonin ist somit ein Teil des körpereigenen Mechanismus, der diese in Schach hält.

Melatonin in der Krebsforschung

Da das Vorkommen von Krebserkrankungen bei Schichtarbeitern gehäuft vorkommt, rückte auch das Melatonin insbesondere in den Fokus der Krebsforschung. Da es sehr viele Gene steuert, auch jene für die erfolgreiche Tumorunterdrückung, wuchs das Interesse an einem möglichen Einsatz im klinischen Bereich. In der Tat durchlaufen die Zellen in unserem Körper innerhalb des 24-h Rhythmus eine Art Prüfung, bei der geschädigte und potentielle Tumorzellen Selbstmord begehen um den gesamten Organismus zu schützen. Wird dieser Mechanismus gestört, weil die Melatonin-Produktion durch äußere Einflüsse wie Licht bei Nacht beeinträchtigt wird, funktioniert dieser Check auch nicht mehr einwandfrei. Dies kann dann wiederum die Entartung von Zellen und Krebs fördern. Melatonin unterdrückt die Zellteilung von Krebszellen, deren Versorgung mit Nährstoffen und die Metastasen, indem es eine Reihe von Genen ansteuert, die an diesen Vorgängen beteiligt sind [7].

Im Jahr 2012 erschien eine umfangreiche Zusammenfassung von klinischen Studien, bei denen zusätzlich zur Krebsbehandlung Melatonin gezielt eingesetzt wurde. Diese Analyse ergab eine nahezu doppelt so hohe Remissionsrate der Krebserkrankung und eine deutlich gesteigerte Überlebenschance durch die Melatonin Einnahme, die Patienten hatten zudem weniger Nebenwirkungen durch die konventionelle Therapie erfahren [8].

Zudem ist bekannt, dass Melatonin eine wichtige Rolle in der Regulation des Immunsystems einnimmt. Es funktioniert als eine Art Puffer, der übermäßige Entzündungen oder allergieähnliche Reaktionen unterdrückt. Melatonin stimuliert die Aktivität sogenannter natürlicher Killerzellen, die maßgeblich an der Abwehr von Krebszellen beteiligt sind [9].

Melatonin Präparate, solide Wissenschaft oder Hype und Geldmache?

Melatonin wurde schon vor etlichen Jahren gerne als das jung machende Hormon Jungbrunnen betitelt und verkauft, heute werden auch gerne andere potentielle Eigenschaften beworben. Häufig natürlich aus Profitgier seitens der Hersteller und Verkäufer. Inzwischen liegt jedoch sehr viel klinische und qualitative Forschung mit diesem Wirkstoff vor, die eine sachlichere Einschätzung erlaubt und diese ist durchaus interessant. Melatonin ist sicherlich kein Wunderwirkstoff, aber es ist insbesondere für Menschen mit Schlafstörungen eine gesündere und natürlichere Alternative zu Medikamenten. Schlafstörungen sind mit guter Gesundheit nämlich schwer vereinbar. Diese hängt aber nicht nur von der Einnahme von Präparaten ab, sondern auch von einem disziplinierten Verzicht auf übermäßige Lichtquellen vor dem Schlafen gehen und eine gute Schlafergonomik.

Kirschen enthalten natürliches Melatonin, aber auch Nahrungsergänzungsmittel mit Melatonin sind in Deutschland zugelassen.

Kirschen enthalten natürliches Melatonin, aber auch Nahrungsergänzungsmittel mit Melatonin sind in Deutschland zugelassen.

Ältere Menschen profitieren von der Melatonin Einnahme schon durch einen gesünderen Schlaf. Der Einfluss auf andere Aspekte der Gesundheit, die Krebserkrankungen und eine bessere Abwehr von oxidativem Stress betreffen können als ein möglicher, positiver Nebeneffekt betrachtet werden. Jüngere Menschen sollten zumindest versuchen ihre körpereigene Produktion nicht unnötig zu unterdrücken. Auch Kaffee und Koffein bringen die Melatonin Ausschüttung durchaus durcheinander und sollte zumindest nicht übermäßig oder zu spät konsumiert werden.

In Deutschland ist Melatonin inzwischen auch als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen, solange die Dosis einer Tablette nicht 5 mg überschreitet. Dies kann eventuell daran liegen, dass Melatonin auch natürlich vorkommt, so beispielsweise in Kirschen, wenn auch nicht so konzentriert wie in Tablettenform. Melatonin darf lediglich vor dem Zubettgehen genommen werden. Bereits Dosierungen von 0,3 mg beeinflussen den Schlaf positiv und bringen die Melatonin Konzentration im Blut auf das Niveau eines jungen Menschen, wenn auch wesentlich höhere Dosierungen auf dem Markt erhältlich sind. Das Medikament Circadin® dagegen enthält 2 mg Melatonin, das zeitverzögert an den Körper abgegeben wird. Es wird bei Schlafstörungen verschrieben.


Quellenverzeichnis:

  1. Wang, P., et al., Night-shift work, sleep duration, daytime napping, and breast cancer risk. Sleep Med, 2015. 16(4): p. 462-8.
  2. Gan, Y., et al., Shift work and diabetes mellitus: a meta-analysis of observational studies. Occup Environ Med, 2015. 72(1): p. 72-8.
  3. Zhou, J.N., et al., Alterations in the circadian rhythm of salivary melatonin begin during middle-age. J Pineal Res, 2003. 34(1): p. 11-6.
  4. Fonseca Costa, S.S. and J.A. Ripperger, Impact of the circadian clock on the aging process. Front Neurol, 2015. 6: p. 43.
  5. Gubin, D.G., et al., The circadian body temperature rhythm in the elderly: effect of single daily melatonin dosing. Chronobiol Int, 2006. 23(3): p. 639-58.
  6. Tan, D.X., et al., One molecule, many derivatives: a never-ending interaction of melatonin with reactive oxygen and nitrogen species? J Pineal Res, 2007. 42(1): p. 28-42.
  7. Hill, S.M., et al., Melatonin: an inhibitor of breast cancer. Endocr Relat Cancer, 2015. 22(3): p. R183-204.
  8. Wang, Y.M., et al., The efficacy and safety of melatonin in concurrent chemotherapy or radiotherapy for solid tumors: a meta-analysis of randomized controlled trials. Cancer Chemother Pharmacol, 2012. 69(5): p. 1213-20.
  9. Miller, S.C., et al., The role of melatonin in immuno-enhancement: potential application in cancer. Int J Exp Pathol, 2006. 87(2): p. 81-7.

Kommentare

  • 6. Juni 2018

    Zopiclon kaufen

    Die Seite ist Super Danke

  • 28. April 2018

    Timo

    Super hilfreicher Artikel danke dafür!

  • 12. September 2016

    Sonja

    Dass es Melatonin als Nahrungsergänzungsmittel gibt ist für mich völlig neu. Das werde ich auf jeden Fall einmal ausprobieren, vielleicht hilft es ja bei meinen Schlaf und Einschlafproblemen. Vielen Dank für den hilfreichen Bericht

  • 26. August 2016

    Ning

    sehr Interessanter Artikel! vor allem für Schichtarbeiter…
    Vielen Dank dafür!


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