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Haben Sie Stress oder sind Sie nicht normal?

Laut einer Forsa-Umfrage fühlen sich 80 Prozent der Deutschen gestresst. Das ist eigentlich nicht weiter überraschend, blickt man aufmerksam auf sich selbst und die Menschen der Umgebung. Schaut man auf die Gründe für unseren Alltagsstress kristallisiert sich schnell heraus: Das Berufsleben wird immer »schneller«, die Digitalisierung ist nicht nur Segen, sondern bringt auch den Fluch der permanenten Erreichbarkeit mit sich. Auszeiten müssen sich immer mehr Menschen
wie rettende Inseln im gepushten Alltag einplanen, am besten als fix geblockte Zeit in einem überquellenden Terminkalender.

Von alleine scheinen sich keine unverplanten Zeitfenster mehr aufzutun, um vielleicht einfach mal nichts zu tun oder dem Gras beim Wachsen zuzuhören. Und selbst wenn: Wer nichts tut, wirkt für viele erst einmal unerhört unproduktiv. Allein dieser Eindruck impliziert bereits die Erwartungshaltung der permanenten Produktivität. Der Begriff Produktivität bezeichnet eine wirtschaftswissenschaftliche Kennzahl, und zwar das Verhältnis zwischen produzierten Gütern und den dafür benötigten Produktionsfaktoren. Was die Frage aufwirft, ob wir mehrheitlich zu permanent produzierenden Arbeitsmaschinen mutiert sind.

Relaxen statt stressenEin weiteres Phänomen in diesem Kontext ist, dass der viel beschworene Stress als Begleiterscheinung eines modernen Lebens in einer Industrienation dargestellt wird. Ich frage mich manchmal, was Menschen aus früheren Zeitaltern dazu sagen würden. Wir müssen dafür nicht mal bis zum Säbelzahntiger zurückgehen, den ich mir als ernsthaft stressigen Zeitgenossen vorstelle. Was würde zum Beispiel meine Großmutter, Jahrgang 1920, zu unserem modernen Alltagsstress sagen? Vermutlich würde sie milde lächeln und an das eigene Leben, gezeichnet von Krieg, Vertreibung und echter Not zurückdenken. Wenn ich mir vorstelle, wie die Trümmerfrauen
Deutschland wieder aufbauten, wie die Männer dieser Generation körperlich gezeichnet und seelisch gebrochen von Gewalt, Krieg und Hunger irgendwie weitermachten, dann kommt ein Gefühl der Scham auf. Scham darüber, dass wir heute in  Deutschland einen der höchsten Lebensstandards der Welt haben und dennoch das Haar in der Suppe suchen.

Jammern auf hohem Niveau

Als berufstätige Mutter von drei kleinen Kindern weiß auch ich, was Alltagsstress bedeutet und ich will ihn auch gar nicht klein reden. Dennoch schadet es nicht, die Herausforderungen unseres Alltags zu relativieren. Mein Stress jedenfalls ist mir bedeutend lieber als der Stress meiner
Großmutter, die während und nach dem Krieg alleine vier Kinder großzog und zur rechten Zeit nicht wusste, wo etwas zu essen zu bekommen war oder ob man sich ein paar neue Winterschuhe würde kaufen können. Dass die Kinder im Sommer barfuß liefen, war ohnehin selbstverständlich.

Auch ziehe ich meinen modernen Stress dem Stress mit einem Säbelzahntiger vor. Im Vergleich scheint mir das, worüber wir uns heute beklagen oftmals eine Art Luxus-Problem zu sein. Denn was verursacht denn einen Großteil unserer Belastung? Sind es tatsächlich alles wirklich lebenswichtige
Termine und Aufgaben oder ist es nicht vielmehr – zumindest zum Teil – eine aufgedunsene Blase an facebook-Nachrichten, What s-App-Gruppen, sozialen und beruflichen Netzwerken um nur einige zu nennen? Was hindert uns daran, den eigenen Alltag nach Möglichkeit zu »entstressen«?

Eigentlich nichts …

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